Theaterstück „Roswitha“

Erna Schatz und die Künstliche Intelligenz (KI)I

Zusammenfassung

Ort der Handlung:
Ein kleiner „altmodischer“ Kaufmannsladen ist Mittelpunkt des Dorfes. Man kann dort Pakete aufgeben und seine Meinung abgeben, man kann Zeitungen kaufen, Eier und Honig. Und es ist eine Lottoannahmestelle.
Erna Schatz ist Inhaberin des Geschäftes. In dieses Kleinod dörflicher Kultur bricht unvermittelt die Moderne ein. Auf Anraten ihrer Tochter hat Erna eine „Beratungsassistentin“ mit künstlicher Intelligenz installiert: Ein Computer samt Überwachungskamera mit direktem Internetanschluss.

Ernas neue Hilfe wird mit dem Namen „Roswitha“ ein wenig vermenschlicht. „Roswitha“ erweist sich zunächst auch als eine freundliche und informative „Mitarbeiterin“. Sie wird aber zunehmend frecher und übergriffiger und plaudert unverblümt aus, welche „Leichen“ die Kunden im Keller haben. Im Dorf fängt es an zu brodeln.

Personen:
Erna Schatz
betreibt den Kaufmannsladen mit Umsicht und Inbrunst, mit gesundem Menschenverstand und zupackendem Wesen.

Frau Maria Kuchenbäcker, regelmäßige Kundin, Witwe, alleinstehend, backt gerne, lästert gerne, jammert gerne. Schlechte Leberwerte und hohen Zuckerspiegel. Schlägt sich ansonsten tapfer durchs Leben. Auf Glückssuche. Spielt regelmäßig Lotto und sucht per Dating App nach einem neuen Lebenspartner.

Elke Müller-Bindestrich, wäre im Dritten Reich beim BDM gewesen, in der DDR in der FDJ und frönt auch heute dem sogenannten Zeitgeist, immer bei den vermeintlich „Guten“. Psychisch labil, möchte gegendert werden. Hat einen laktoseintoleranten 13-jährigen Sohn, den sie mit Lauchsuppe drangsaliert und mit veganem Pausenbrot durchs Dasein schiebt.

Dieter Knickebein, braver Familienvater, hat zu Hause nichts zu sagen und hat Magenprobleme. Singt im Chor, um ab und zu von zuhause wegzukommen. Und er hat eine hübsche 17-jährige Tochter, die ihm und der Dorfjugend Kopfschmerzen bereitet. Und die sich als Influencerin versucht.

Hubertus Hasenjäger, Großgrundbesitzer, Jäger, verheiratet, Macho, Sexist, hat Freundin. Deswegen ein Verfechter des Datenschutzes. Ständig auf der Pirsch nach zweibeinigen und vierbeinigen Hasen. Bauer sucht Frau!

Lothar Lempel: Studienrat am Gymnasium in der Kreisstadt. Liebt gute Literatur und sehnt das Ende seines Lehrerdaseins herbei. Er ist verbittert wegen des Verfalls des Bildungssystems. Ab und zu fährt er heimlich in die Spielbank nach Hannover. Er ist verheiratet, die Kinder sind aus dem Haus.
Günter Mückenthal, Kreistagsabgeordneter, Kassenwart einer örtlichen Volkspartei mit Schwindsucht. Beschäftigt Haushaltshilfe schwarz, hat mit seinem Auto den TÜV überzogen, hat Schulden beim Finanzamt. Drischt politische Phrasen, die im Widerspruch zu seinem privaten Leben stehen.

1.Szene
Laden mit diversen Regalen (Bücher, Wein, Honig, Eier, Zeitungen etc.)
Erna Schatz:  Guten Morgen Karin!
Karin Kuchenbäcker:  Guten Morgen, Erna!
Erna Schatz:   Na, wie geht’s?
Karin Kuchenbäcker:  Ach einigermaßen, aber mein Hühnerauge macht mir zu schaffen!
Erna Schatz:  Das liegt am Wetter, dauernd diese Temperaturunterschiede, da wird man ja ganz kirre. Was kann ich für dich tun?

Karin Kuchenbäcker: Ich brauche nur die Tageszeitung und eine Flasche Rotwein!

Erna Schatz:  Hier die Zeitung, die Rotweinflasche nimmst du dir vorne aus dem Ständer!
Karin Kuchenbäcker: Sag mal Erna, was ist denn das da für eine neue Apparatur da oben?

Erna Schatz:  Ist toll, ne! Meine neue Vertriebsassistentin mit künstlicher Intelligenz.
Karin Kuchenbäcker:  Wie bitte?

Erna Schatz:  Hat mir meine Tochter empfohlen. Ich soll endlich mit der Moderne gehen, hat sie gesagt. Soll mir das Leben leichter machen!
Karin Kuchenbäcker:  Na super, und wie funktioniert das?

Erna Schatz:  Der Kasten da oben hat eine integrierte Kamera. Die scannt dein Gesicht, wenn du zur Tür reinkommst und erkennt dich per Gesichtserkennung.
Karin Kuchenbäcker:  Wozu soll das gut sein?

Erna Schatz: Naja, du weißt doch, ich kann mir Namen so schlecht merken. Jeder, der hier reinkommt, spricht mich mit meinem Namen an und ich kann dann immer nur „Hallo“ sagen oder so.

Karin Kuchenbäcker: Und wie hilft dir dieser Kasten da?

Erna Schatz: Nach Eintreten erkennt das Gerät die Person und kann sie mit dem Namen ansprechen. Da sitzt neben der Kamera natürlich auch noch ein Lautsprecher drin.

Karin Kuchenbäcker:  So wie Corona in meinem Computer

Erna Schatz: Das ist Cortana! Corona ist das, womit sie uns 2 Jahre versaut haben. Aber sonst hast du recht, es funktioniert ähnlich wie Cortana im PC.

Das Gerät ist direkt mit dem Internet verbunden. Und von hier aus kann ich das Gerät bedienen, ein und ausschalten und so.

Karin Kuchenbäcker:  Na, das nenne ich mal einen Fortschritt! Ist der Apparat schon eingeschaltet?
Erna Schatz:  Nicht er, sondern sie! Die Techniker, die das eingebaut haben,

haben mich gefragt, ob ich lieber eine Frau oder einen Mann da oben möchte. Ich habe mich für eine Frau entschieden. Dann heißt das Gerät

Roswitha! Ein Computer mit einem weiblichen Vornamen klingt irgendwie menschlicher. Soll ich mal einschalten, nur so zur Probe,?

Karin Kuchenbäcker:  Au ja!
Erna Schatz:  Dann geh nochmal raus und komm wieder rein.
 Karin geht raus und kommt wieder zur Tür rein.
Im Lautsprecher erklingt eine sanfte Frauenstimme:

Roswitha:  Guten Morgen, Frau Karin Kuchenbäcker, ich freue mich, Sie in unserem Geschäft begrüßen zu dürfen.

Karin Kuchenbäcker: Klasse. Das ist ja wie im Flugzeug die Stewardessen.

Erna Schatz: Durch die künstliche Intelligenz sollen die Maschinen menschlich gemacht werden. Roswitha hat angeblich nicht nur einen Frauennamen, sondern soll auch Verhaltensweisen wie eine Frau haben.

Roswitha: Roswitha ist liebenswert, verständnisvoll und neugierig.

Karin Kuchenbäcker: Sieh an! Und hat offensichtlich die feminine Gefallsucht.

Roswitha: Roswitha ist aufmerksam und lernt jeden Tag dazu!
Karin Kuchenbäcker: Na toll! Sag mal Erna, was wäre gewesen, wenn du dich für einen Mann entschieden hättest?

Erna Schatz: Dann würde da oben Manfred hängen.
Roswitha: Manfred wäre dynamisch, wissbegierig und wisse alles besser.