Das Böse der Menschheit in einem Bild

Kommissar Kalter hatte endlich sein Versprechen wahr gemacht: Er war mit seiner Frau Christa nach Paris gefahren, um ihr diese wunderschöne Stadt zu zeigen.
Sie schlenderten durch die pulsierende Metropole und ließen sich einfangen von dem Flair der Grande Nation. Bei ihrem Gang zu den Sehenswürdigkeiten landeten sie schließlich im Pantheon und blieben staunend vor einem großen Gemälde stehen.
Plötzlich sagte Kalter zu seiner Frau:
„In diesem Gemälde ist das ganze Elend der Menschheit zusammengefasst!“ Sie sah ihn verständnislos an. Er begann mit einer Bildinterpretation.
„Sieh dir die Szenerie dieser Hinrichtung einmal an“, fuhr er fort. „Da sind sie, die Prototypen der Übeltäter.
Fangen wir mit dem Mann da links an, der das Holz für den Scheiterhaufen heranschafft. Der wird später, wenn man ihn zur Rechenschaft ziehen will, sagen: ,Ich hatte meine Befehle. Ich habe ja auch nur das Holz geholt‘. Das sind die willfährigen Werkzeuge in der Maschinerie der Macht. Die Leute wir Prof. Ömmel in unserem Roman. Sie machen sich auch keine Gedanken, wozu das Holz dienen soll oder die gefälschten Statistiken auf ihren Webseiten. Es sind die Handlanger für diejenigen, die sich die Hände nicht schmutzig machen wollen.“

Kalter zeigte mit dem Finger nach rechts.
„Sieh dort auf der gegenüberliegenden Seite den anderen Soldaten, der mit dem Arm in Richtung Scheiterhaufen zeigt. Der gibt offensichtlich den Befehl, aber auch der wird sagen, er habe seine Weisungen gehabt. ,Ich war nur für die Errichtung des Scheiterhaufens zuständig.‘ Ein Typ wie unser Dr. Willi in unserem Mordfall.“

Kalter deutete wieder auf die linke Seite des Bildes.
„Guck dir den Priester mit dem Buch in der Hand an. Der liefert die weltanschauliche Rechtfertigung. Er ist der Chefideologe, der die Ideen entwickelt, die es angeblich rechtfertigen, einen Menschen auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen.

Kalter hob den Arm und deutete auf den Priester, der der armen Frau auf dem Scheiterhaufen Trost spenden will.
„Sein rechter Arm zeigt sicher nicht zufällig auf die Kirche im Hintergrund. Hier liefert die Kirche, die Religion, die Rechtfertigung für das mörderische Tun. Die vermeintlich großen Ideen nehmen allen Beteiligten das schlechte Gewissen. Die beiden Priester stehen für die Kevins und Kasimirs in unserem Mordfall. Die gläubigen Eiferer, die sich immer auf der richtigen Seite wähnen und die zu jeder Grausamkeit bereit sind, weil sie im Dienste einer angeblich höheren Idee stehe. Und diese Fanatiker werden immer sagen, dass kleine Morde notwendig seien, um größeres Übel zu verhindern.“
„Genau wie die angeblich gutwilligen Demonstranten, aus deren Mitte heraus Steine auf die anderen Demonstranten geworfen werden.“
„Oder auf uns Polizisten,“ sagte Kalter lakonisch. „Aber diese Steine werden ja durch ihren Kampf gegen den Rassismus oder Faschismus oder gegen was auch immer geheiligt. Und in der Geschichte gibt es dauernd genügend Menschen, die diesen Mist auch wirklich glauben!“

Kalter zeigte auf den Menschen im Vordergrund, der die Fackel aufhob.
„Da ist der Brandstifter. Der, der aus Grausamkeit das Feuer legt. Den interessiert das Gesülze der Ideologen nicht, der will es einfach nur brennen sehen.“
Christa nahm die Faszination dieses Bildes auch immer mehr gefangen.
„Du hast Recht. Das sind die Brutalen und Perversen in der Gesellschaft, die es wohl zu allen Zeiten und in jeder Gesellschaft gegeben hat.“
Kalter fügte hinzu: „Die Schickelgrubers in „Die Fäden ziehen“. Nicht umsonst hat der Kerl auf dem Bild in der anderen Hand noch eine Mistgabel als Mordwerkzeug.“

Seine Frau wies auf die Menschen am Rande des Scheiterhaufens.
„Hinter dem Scheiterhaufen sieht man viele Gaffer.“
„Ja“, sagte Kalter, „das ist gewissermaßen die öffentliche Meinung. Da stehen die, die nur glotzen und hämisch kommentieren. Sensationslüstern. Die wollen Blut sehen. Sie machen keinen Finger krumm, schon gar nicht zur Verteidigung. Sie haben einen abgestumpften Gerechtigkeitssinn und sind heilfroh, nicht selber da oben zu stehen. Auch die werden später sagen, ich konnte nichts da-gegen tun. Ich habe nur zugesehen. Mit Abscheu, versteht sich.“
„Kann es sein, Walter, dass du bei diesem Vergleich auch die schmierige Medienmeute der Moderne im Auge hast?“
Kalter sah seine Frau an, und sie wusste nicht, ob sie das als Zustimmung werten sollte.

Kalter zeigte auf die Figur im Hintergrund des Bildes.
„Und da ist der eigentliche Drahtzieher dieses ganzen Geschehens. Der Kardinal mit der roten Robe. Wenn ich das richtig erkenne, ist das ein alter Mummelgreis. Hinter sich hat er die „Staatsgewalt“, die gepanzerten Soldaten. Dieser Pate bleibt schön im Hintergrund sitzen. Der hat die Macht. Die Ideologen, die Befehlsempfänger und die Brutalos, sie sind die kleinen Rädchen in diesem Machtgefüge. Der da hinten aber, der ist der eigentlich Verantwortliche für die Hinrichtung. Der Großinquisitor. Der hat vermutlich nur eine Unterschrift geleistet.“
Kalters Frau begriff immer mehr die Zusammenhänge, auf die ihr Mann hinauswollte:
„Das sind die Kriegmänner in der Geschichte. Das sind die Paten, bei denen alle Fäden zusammenlaufen. Und auch die werden sich später rauszureden versuchen, sie hätten nur eine Unterschrift geleistet. Und sie seien doch auch Tierliebhaber.“
Kalter schüttelte resigniert den Kopf und sagte:
„Das Traurige ist, dass diese Tyrannen in den seltensten Fällen zur Rechenschaft gezogen werden.“
„Na ja“, versuchte seine Frau ihn zu trösten, „den Hintermann in deinem Fall, den Kriegmann, hat es am Ende doch erwischt!“
„Okay, aber den haben zwei Flaschen Champagner und zwei Viagra hingerichtet!“

Kalter lenkte die Aufmerksamkeit seiner Frau wieder auf das Gemälde: „Jetzt bleibt nur noch eine Figur auf dem Bild. Das arme Opfer. Das Symbol für den kleinen Mann…“
„… oder die kleine Frau!“
„Natürlich auch die kleine Frau. Sie geraten in die Fänge dieser Machtmaschinerie und werden gnadenlos zermah-len. Wenn sie was tun, was den Mächtigen nicht passt, dann heißt es: auf den Scheiterhaufen mit euch.“
Kalter wandte sich zum Gehen.
„Deswegen sind Meinungsfreiheit und Toleranz auch so wichtig. Egal, was für einen Mist die Leute in ihren Gehirnen ausbrüten, sie müssen es sagen dürfen. Ich halte es da mit Voltaire: ,Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.‘
Kalter legte den Arm um seine Frau.

Liebe Leser, ich wünsche Ihnen für 2026: Bleiben Sie gesund und behalten Sie ihr Lachen!
„Ein Land, das Claudia Roth für eine Politikerin hält, ist dem Untergang geweiht!“
Dieser Satz stammt aus meinem Buch „Kleine Geschichten über Politik“. Die spöttischen Gedanken darin scheinen tagtäglich an Aktualität zuzunehmen wie die „Warnung vor Zivilcourage“ unter „Politik und Gesellschaft“ zeigt.
Auf der Seite „Gesellschaft“ erwartet Sie „Der deutsche Michel“ und bald noch viel mehr.
Auf der Seite „Roman“ beginnt ein spannender Krimi, zugleich eine treffende Gesellschaftssatire, sagen bisherige Leser. Veröffentlicht ist das Buch auf amazon unter: „Abgang Altachtundsechziger“
Lassen Sie sich die Einblicke in diesen Lesespaß nicht entgehen !
Und zu guter Letzt noch ein paar Witze, auch einige freche „Witze“ , Konsum auf eigene Gefahr !
Und einige Glossen!

